Botanischr GartenNach zweieinhalbjährigen Renovationsarbeiten ist es so weit: Ab 1. Juni sind die Schauhäuser im Botanischen Garten der Uni wieder öffentlich zugänglich. Unter den neuen Glaskuppeln gedeihen exotische Pflanzen besser denn je.

 Die drei Kuppengewächshäuser, seit 4o Jahren das Wahrzeichen des Botanischen Gartens an der Zollikerstrasse hatten eine Erneuerung dringend nötig. Die Hülle der Häuser war undicht und trüb geworden. Darunter stimmte das Klima nicht mehr: Zu wenig Licht, Hitzestaus, Bodenkälte und Nässe machten den Pflanzen arg zu schaffen. „Als das Ganze dann definitiv Richtung Tropfsteinhöhle ging“, so Architekt Christo Haerle bei einem Medienrundgang, „wurde der Entscheid zur Totalsanierung unumgänglich.“ Mit Pflästerlipolitik liess sich nichts mehr ausrichten. Unter Leitung des kantonalen Hochbauamts und der Zürcher Architekturbüros Hubacher + Peier und Haerle wurden in der Folge nicht nur die Tropenhäuser, sondern auch die Anzuchtsgewächshäuser und die Personalräume einer Modernisierung unterzogen.

Das Ergebnis des 14,5 Millionen Franken teuren Projekts lässt sich sehen: Dank der neuen, doppelhäutigen Plexiglashülle und ausgeklügelter Klimatechnik mit Luftbefeuchtung.

„Das Klima darf jedoch nicht zu perfekt sein“, betonte Architekt Haerle. „Sonst werden die Pflanzen träge.“ Man habe deshalb auch „Windkanonen“ eingebaut, die man je nach Jahreszeit steuert. Diese Luftströme aktivieren die Pflanzen Wachstum. Das günstigere Klima wirkt sich bereits aus: Ein tot geglaubter Palmenstrunk habe plötzlich frisch ausgetrieben, ein alter Kaktus stehe zum ersten Mal in Blüte, erzählte Michael Kessler, Wissenschaftlicher Leiter des Botanischen Gartens. In den nächsten Monaten wird nun fleissig weiter eingepflanzt – auch die rund 200 Gewächse, die Peter Enz, Leiter des Botanischen Gartens, und sein Gärtnerteam eben von einer Sammelreise aus Peru mitgebracht haben. Es wird aber noch Jahre dauern, bis die Pflanzen in den Schauhäusern gut eingewachsen sind.

Energieverbrauch massiv gesenkt

Das bessere Pflanzenwachstum ist das eine, der ökoligisch-ökonomische Gewinn das andere. In der sanierten Anlage lasse sich der Energieverbrauch um 300 Prozent reduzieren, betonte Architekt Haerle. Künftig werden die Pflanzen zudem nicht mehr mit Stadtwasser gegossen, sondern praktisch ausschliesslich mit Regenwasser aus einem neu gebauten Sammeltank. Alle Massnahmen zusammen sollen eine Reduktion der jährlichen Betriebs- und Energiekosten um etwa 100’000 Franken bringen.

Auch die Konzeption der Tropenhäuser wurden überarbeitet. Das ehemalige „Subtropenhaus“ heisst heute „Bergwald“ und soll mit den Jahren von einem dichten tropischen Nebelwald – mit vielen Moosen, Farnen und Aufsitzpflanzen – durchwachsen sein. Im „Tiefland“ (ehemals „Tropenhaus“) mit seiner heissen , schwülen Atmosphäre vermittelt bereits heute eine naturgetreu (mittels Skiliftmast, Gitter und Spritzbeton) nachgeformte Baumstruktur einen Eindruck der Baumriesen im tropischen Regenwald. Auf sechs Meter Höhe bietet die Skulptur eine Plattform, von der aus in die Baumkronen geschaut werden kann.

Das frühere „Savannenhaus“ wurde in „Trockengebiet“ umbenannt. Als neue Attraktionen locken hier unter anderem eine Sammlung madagassischer Pflanzen und eine Schauvitrine mit botanischen Schätzen wie „lebende Steine“ oder insektenfressende Pflanzen.

Schliesslich wurde auch das Foyer beim Eingang erneuert: Vom blossen Durchgangsraum hat es sich zu einem zusätzlichen Ausstellungsraum mit Vitrinen für botanische Raritäten gemausert.

Quelle: Quartierzeitung Züriberg vom 16.5.2013 Text: Lisa Maire

 

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