Alternativmedizin geniesst in der Bevölkerung einen guten Ruf. Aber sie wird momentan von der Grundversicherung der Krankenkassen nicht bezahlt. Das ändert ab Januar 2012.

Die Homöopathie, die traditionelle chinesische Medizin, die anthroposophische Medizin, die Phytotherapie und die Neuraltherapie werden ab 2012 wieder von den Krankenkassen vergütet – jedenfalls bis 2017. Bis dann sollen die umstrittenen Alternativmethoden neu evaluiert werden. Mit diesem Entscheid hat Gesundheitsminister Didier Burkhalter im Januar auch auf den starken Rückhalt der Komplementärmedizin in der Bevölkerung reagiert. Über zwei Drittel der Stimmberechtigten sagten 2009 Ja zu einem Verfassungsartikel, der eine bessere Berücksichtigung der Komplementärmedizin verlangt.

Eine einheitliche Definition für die Alternativ- oder Komplementärmedizin gibt es nicht. In Anlehnung an die National Institutes of Health kann man die Verfahren gemäss Wikipedia in vier Gruppen einteilen: Verfahren, die Naurprodukte wie Kräuter benutzen; Verfahren, welche die Einheit von Körper Geist postulieren (beispielsweise Yoga, Tai-Chi; manuelle Verfahren wie Osteopathie oder Chirotherapie sowie Verfahren, die Energiefeldern arbeiten. Zudem existieren Systeme, die mehrere alternativmedizinische Verfahren zusammen nutzen und deshalb nicht in das Schema passen. Dazu gehören zum Beispiel die Homöopathie und Naturheilverfahren.

Seit 1999 ein Hin und Her

In der Schweiz ringt man seit Jahren um die Anerkennung der Komplementärmedizin als kassenpflichtige Leistung. 1999 hat der Bund die fünf Behandlungsmethoden für eine sechsjährige Testphase in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen. 2005 hat sie Bundesrat Pascal Couchepin wieder gestrichen. Im gleichen Jahr wurde die Volksinitiative „Ja zur Komplementärmedizin“ mit 140’000 Unterschriften eingereicht, und im Jahr 2009 der minim abgeänderte Gegenvorschlag mit 67 Prozent Ja angenommen. Ab 2012 sind die fünf Methoden wieder im Leistungskatalog der obligatorischen Krankenversicherung. Die Übergangsperiode bis 2017 will Didier Burkhalter dazu nutzen, die kontoversen Aspekte zu klären. Bis heute fehle der Nachweis, dass diese fünf Behandlungsmethoden die gesetzlichen Kriterien der Wirksamkeit vollumfänglich erfüllen.

Gesund leben

Es gibt übrigens eine weitere äusserst attraktive Alternative zur klassischen Medizin: Gesund leben. Wer sich abwechslungsreich und ausgewogen ernährt, Tee geniesst statt zuckersüsser Getränke und sich an der frischen Luft bewegt, lebt nicht nur gesund, sondern auch länger – und fühlt sich erst noch gut dabei. Das nennt sich allerdings nicht Alternativ-, sondern Präventivmedizin.

Thomas Hoffmann ( Quartierzeitung Züriberg 4/11)

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